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Unsere Vergangenheit - Unsere Aufführungen

DGB-CHOR Frankfurt - Von den Anfängen (1984) bis heute

Entstanden ist der Chor 1984 aus einer Initiative des SeniorInnen-Arbeitskreises des Frankfurter Gewerkschaftsbundes. Zunächst wurden vor allem die alten Lieder der Arbeiterbewegung gesungen. Aber bald verjüngte sich der Chor und das Liedgut änderte sich. Zu Gast auf den vielen Straßen- und Bewegungsfesten der 80-er Jahre sang man zunehmend Friedens- und Frauenlieder sowie die Songs der Befreiungsbewegungen von Südafrika bis Chile. In dieser Zeit präsentierte der Chor auch sein erstes Abend füllendes Programm:

Von Madrid bis Managua (November 1986)

Eine musikalische Zeitreise durch verschiedene Länder der Erde, die unter einer faschistischen Diktatur zu leiden hatten und sie letztlich überwanden. Jedem Land war ein eigener, aus Liedern und Texten bestehender Block gewidmet: Spanien, Deutschland, Griechenland, die Türkei, Portugal, Chile und zuletzt Nicaragua. Liedbeispiele: ‚Los cuatro generales’, ‚Die Moorsoldaten’, ‚Mit Flammenblättern’, ‚Grandola vila morena’, ‚Venceremos’, und ‚Ay, Nicaragua, Nicaraguita’. Im folgenden Sommer fuhr ein Teil des Chores zur Soli-Tournee nach Nicaragua.

Es folgten weitere Programme, mit denen wir aktuelle und politische Themen aufgriffen und uns nach und nach für Musik aus allen Jahrhunderten, Stilrichtungen und Sprachen öffneten: 

Frankfort, was biste so schee!

Eine Collage in Liedern und Texten auf unsere Stadt.

Frankfurt steht zwar für viele sympathische Hoffungen und Aufbrüche, für manche Menschen ist sie aber auch mit enttäuschten Hoffnungen verbunden, die sich aus Bankfurt, Krankfurt und Krampffurt ergeben haben. Thematisch streiften wir mit ‚Das Parla-parla-parlament’, ‚Abschied vom Walde’, ‚Kauf dir einen bunten Luftballon’‚‚Lied von der belebenden Wirkung des Geldes’ einige markante Punkte in der Geschichte und Identität der Stadt: die Paulskirchenversammlung, die Startbahn West, die 1848-er Revolution, den Ebbelwoi, die Drogenszene im Bahnhofsviertel, den Industriestandort Höchst.

Darauf schwiegen die Vöglein

Unsere Auseinandersetzung mit der verbotenen Musik im Nationalsozialismus.

Die Liste der Musik, die bei den Nazis als „entartet“ galt, war lang: Sie umfasste die Werke von Hindemith, Scherchen, Mendelssohn-Bartholdy, Hollaender, Weill, Comedian Harmonists, Gershwin, Eisler, Schönberg, Toch und vielen anderen. Mit der ‚Ausmerzung’ dieser Kunst wurde ein Verbrechen begangen, das eine schmerzliche Lücke gerissen hat und bis heute spürbar ist. Als Beispiele präsentierten wir ‚La biche’, den ‚Trauermarsch’, ‚Di grine Kusine’, ‚In der Bar zum Krokodil’, ‚I got plenty of nothing’.

Linke Vögel – schräge Töne

Dieser Querschnitt durch unser bisheriges Schaffen sollte eigentlich unser Jubiläumsprogramm (10 Jahre DGB-Chor) werden.

Tatsächlich wurde es – wir sind schließlich nicht päpstlicher als der Papst – erst im 11. Jahr präsentiert. Lieder daraus: ‚Brot und Rosen’, ‚Nkosi sikeleli’, ‚Näscher und Faulpelze’, ‚Lied vom toten Soldaten’.

Die Launen Amors

Musik zum Thema Liebe und Lust von Claudio Monteverdi und seinen Zeitgenossen, zusammen mit dem Vocalensemble ‚Cant’espresso’.

Als rauschende Feier angelegt, bestand dieses Programm, wie nicht anders zu erwarten, fast ausschließlich aus italienischen Titeln, und stand ganz im Zeichen von Amor, Bacchus, Musik und Tanz, wie z.B. in ‚Il bell’humore’(Der Frohsinn). Textauszug: Ich will fröhlich leben, ohne jeden Herzschmerz. Amor zu darfst bleiben, und mir ins Herz treffen. Bacchus kenne und liebe ich und sein Getränk verehre ich. Er macht mich heiter und schafft mir Vergnügen …“. Der Chor spielte bei diesem Programm allerdings eine Nebenrolle.

Herr König, leb’ er wohl

Die deutsche Auswanderung nach der Revolution von 1848.

Es gibt sicher viele Wege, sich dieser (gescheiterten) Revolution aus heutiger Sicht zu nähern. Wir versuchten es mit einem Bilderbogen, in dem das damalige Zeitgeschehen aus der Sicht der ‚kleinen Leute’ interpretiert wird. Mit Titeln wie ‚Die Weber’ von Heinrich Heine, ‚Das Schifflein’, ‚The Deitschers Dog’ zeichnete der Chor den Weg der schlesischen Weber über das Paulskirchenparlament bis nach Amerika nach. Textauszug aus einer Rede des Abgeordneten Gary Davis aus Frankfurt/Kentucky 1849:  „Wir müssen auf die Zehntausenden von Deutschen achten, die fortwährend in die nordwestlichen Staaten unserer Union einsickern …“. Eines unserer erfolgreichsten Programme, was wohl auch dem Umstand geschuldet ist, das wir erstmals mit einer professionellen Regisseurin (Hilde Brand) und Schauspielern arbeiteten.

Party für Eisler

Wir feierten den Komponisten an seinem hundertsten Geburtstag mit einem Auftritt und einer anschließenden Fete.

Er ist uns einer der Liebsten. Immer wieder kommen wir auf seine Musik zurück. Er selber war gerne auf Partys, darum schien uns diese Ehrung passend. Es erklangen bekannte Lieder, wie das „Solidaritätslied“, das „Einheitsfrontlied“, und weniger bekannte , wie „Die Litanei vom Hauch“, „Der zerrissene Rock“, die „Gottseibeiuns-Kantate“ und Stücke von seinen Schülern, „Die Welt verändern wir“, „Inschrift“.

Musikalischer Ohrenschmaus

Lieder über Sinneslust und –frust.

Die Frankfurter Rundschau lobte uns unter dem Titel „Wenn Lachtränen in die imaginäre Minestrone kullern: Die Auswahl der Lieder zu Speis und Trank war ebenso gelungen wie der bodenständige bis derbe Vortragsstil traf. Wer Gewerkschaftern nur markige Arbeiterlieder und dröge Klassenkampflyrik zugetraut hatte, wurde angenehm überrascht von den fünf kulinarischen Gängen.“ Wir präsentierten Titel wie ‚Es wollt ein Weib zum Weine gahn’, den ‚Spaghetti-Kavalier’, die ‚Capri-Fischer’, ‚Rum and Coca Cola’, ‚Nun leb wohl, du schöner Braten’. Um noch mal die FR zu zitieren: „So humorvoll und geistreich hätte es ruhig den ganzen Abend weiter gehen können.“

Nix wie raus!

Die Deutschen zieht es mit Macht ins Ausland. Wer will schon den Urlaub zu Hause verbringen.

Doch die Geschichte der Deutschen im Ausland hat seit neuestem noch einen Aspekt, der überwunden schien: den Soldaten außerhalb der Landesgrenzen. In einer Zeit, in der deutsche Soldaten wieder in aller Welt zu finden sind, verbanden wir, was nicht zusammen zu gehören scheint: Tourismus und Expansionsstreben, Fernweh und Weltmachtgelüste der Deutschen. Titel aus dem Programm ‚Das Wandern ist des Müllers Lust’, ‚Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh’n?’ ‚Kennst du das Land, wo die Kanonen blüh’n?’ ´Surfin’ USA’. Eher nachdenklich endeten wir mit den ‚Bitten der Kinder´: Die Häuser sollen nicht brennen. Bomber sollt man nicht kennen….

Und weil der Mensch ...

Ausgehend von Begriffspaaren wie heiß – kalt, Feuer – Eis zieht sich auf hintergründige Art das Thema ‚Gesellschaftliche Ausgrenzung und ihre Opfer’ durch das Programm.

Ausgrenzung gab es früher und gibt es heute: Immer hat die Gesellschaft - statt die wahren Ursachen des Elends aufzuspüren und zu beseitigen - einen Sündenbock gesucht und gefunden: die Hexen, die Zigeuner, die Ausländer, die Arbeitslosen. Unter anderem ließen wir uns inspirieren von Goethe und seinem ‚Hexeneinmaleins’ und von einem unserer Lieblingskomponisten, nämlich Hanns Eisler, der bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.